Exzellenter Sommer Tagebuch
Mittlerweile haben wir uns schon nach fast 2 Wochen an eine gewisse Routine, aneinander und den Bayerischen Wald vor unserer Haustüre in Pfaffenzell gewöhnt. Wie jeden Morgen in der Woche haste ich nach zu langem Snoozen meines Weckers auf den Dachboden, wo das wenig genutzte Bad sich befindet und ich mich nebst 2 anderen Mitbewohnerinnen in diesem schon etwas eingenistet habe- oder zumindest wurde der Kulturbeutel schon etwas auf die ein zwei Ablagen entleert und schmückt nun die ersten Eindrücke meines frisch angebrochenen Tages. Nach einer kurzen, aber intensiven Pflege stürze ich in derselben Windeseile die zwei Etagen des dreistöckigen Hauses welches ich mir mit 20 anderen lieben Menschen teile, hinunter in die Küche. Das Haus ähnelt besonders am Morgen einem mittlerweile perfekt eingespielten Bienenstock, in dem jede Person weiß wie sie, ohne andere zu stören, sich durch das Labyrinth des Hauses zu bewegen. Das Frühstück im Stehen muss reichen, denn es geht fix weiter damit die Mädels meiner mittlerweile liebgewonnenen Fahrgemeinschaft nicht warten müssen. Wir fahren nämlich von Pfaffenzell jeden Tag exakt 35 Minuten weiter nach Cham, wo sich unsere Lehrkrankenhäuser die Sana Klinik und die medbo Cham befinden. Wir sind somit eines der ersten Autos, die sich auf den Weg zu Ihrem täglichen Famulaturplatz machen. Die Fahrt über können wir uns an der schönen Natur erfreuen, die besonders in nebenverhangenem Licht nahezu mystisch erscheint. In Cham angekommen, fahren wir mit imaginär gehissten Flaggen und einem Remix der Titelmelodie des bekannten Filmes ,,Drei Haselnüsse für Aschenbrödel‘‘ in die knapp 17.000 Seelenstadt Cham ein. Die kleine Tradition gibt uns den Kickstarter für den Tag und schafft gleichzeitig auch noch einen kleinen Moment der Gruppenidentitätsbildung der kleinen Fahrgemeinschaft, die wir so liebevoll die ,,Cha(r)mings‘‘ nennen. Der Tag auf der psychiatrischen Station beginnt erstmal mit einem Kaffee und der Übergabe des Nachtdienstes an das Team des Frühdienstes, welches aus Ärzt*innen, Pflegekräften, der Physiotherapie und den Psychologinnen besteht. Hier wird deutlich, dass wirklich interdisziplinär gearbeitet wird. Eine direkte und klare Kommunikation im Team sind hier ein stringentes Merkmal der Arbeitsweise auf Station. Als erste Famulatur wurde mir gesagt, sei dies eine untypische Wahl. Ich meinerseits bin sehr zufrieden mit meiner Wahl, da ich so besser eines meiner präferierten Fachgebiete recht früh schon für mich ausloten kann. Außerdem geht es auf der Station aufgrund des regelrechten Stationsablaufes langsamer zu als auf somatischen Stationen auf denen z.B. auch operiert wird, was ich als Famulatureinstieg auch ebenfalls für gut befinde. Auf Station wird mir die Möglichkeit geboten, jeder Therapie beizuwohnen und auch in die Arbeit anderer Berufsfelder reinzuschnuppern, welche mit an der Therapie der Patient*innen beteiligt sind und diese maßgeblich mitgestalten. Noch am Vormittag darf ich der ausführlichen Kurvenvisite beiwohnen, bei der die weiteren Therapieschritte der stationären Patient*innen und deren Verlauf und Entwicklung auf Station besprochen werden. Die Atmosphäre bietet es an, währenddessen Fragen zu stellen, um deren ausführliche Beantwortung besonders unsere Oberärztin Fr. Dr. Heyder bemüht ist.
Am Nachmittag sind alle 41 Exzellenz Teilnehmende eingeladen in der Grundschule Cham an einem Kinderuntersuchungskurs mit Grundschulkindern teilzunehmen, diese zu untersuchen und letztlich auch von diesen untersucht zu werden. Hinterher gab es noch eine große Runde Ballspielen und ein Gruppenfoto. Zumindest mein Grundschulkind konnte ich glaubhaft von dem Weg ins Medizinstudium überzeugen. Vielleicht bleibt eine solche Erfahrung bei den Kleinen hängen und ebnet ihnen womöglich wirklich den Weg in den Ärzt*innen-Beruf.
Gegen Abend wurden wir vom Landkreis Cham, der AOK und den Landarztmachern zu einem gemeinsamen Abendessen mit den Famulaturärzt*innen besonders denen aus den umliegenden Praxen eingeladen, um miteinander über grundlegende Fragen der hausärztlichen Versorgung auf dem Land zu sprechen, aber auch um persönlichere Fragen stellen zu können. Uns geduldig zugehört und unsere Fragen ausführlich beantwortet hat uns Herr Dr. Igl von den Hausärzten Cham – Dr. Igl & Dr. Krämer, obwohl dieser sogar in Rufbereitschaft für seinen Notdienst war. Das Glück stand auf unserer Seite und so wurde dieser erst gegen Ende des Essens zu einem Einsatz gerufen.
Im Hause angekommen gab es das altbekannte Gewusel in der Küche und einen persönlich von meiner lieben Mitbewohnerin und Gesprächspartnerin Hanna zubereiteten heißen Kakao zum Verfassen dieses Tagebucheintrages. Alles in allem ein sehr reicher und wertvoller Tag dieser Exzellenz-Erfahrung!