Exzellenter Sommer Tagebuch
Es ist Tag 19 unserer Zeit im Bayerischen Wald und damit haben wir knapp 2/3 der Famulatur bereits geschafft. Oder in anderen Worten: Lediglich 1/3 ist noch übrig. Der Herbst rückt mit großen Schritten näher und anstatt durch Sonnenstrahlen geweckt zu werden, hängen nun dicke Nebelschwaden über den Feldern von Schildertschlag. Den Sonnenaufgang bekam ich schon gar nicht mehr mit, da ich zu dieser Zeit bereits in der Hausarztpraxis von Dr. Gahbauer in Grafenau saß und die Laborergebnisse der gestrigen Blutentnahmen sichtete: Ein leicht erhöhtes TSH (vereinfacht gesagt ein Hinweis auf Schilddrüsenunterfunktion), ein erhöhter HbA1c (Langzeit-Blutzucker) und eine erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit (Entzündungszeichen) bei Verdacht auf chronisch entzündliche Darmerkrankung sind die auffälligen Ergebnisse des Tages. Im Gegensatz zu manchen Ergebnissen von denen Student*innen aus der Notaufnahme berichten, erfordern diese Laborwerte keine sofortige Handlung und können den Patient*innen bei den bereits geplanten Besprechungsterminen mitgeteilt werden. Und so konnten wir die reguläre Sprechstunde starten, die sich grob in die drei „P“ einteilen lässt: Primärversorgung von Erkrankungen (heute zum Beispiel eine eitrige Tonsillitis und unkomplizierte Harnwegsinfekte), Prävention von schwereren Erkrankungen (heute eine FMSE Impfung und Vorsorgeuntersuchungen von Diabetiker*Innen) und persönliche Beratungen (z.B. zur besonderen Ernährung bei Darmerkrankungen).
Ich habe derweil mein eigenes Sprechzimmer vorbereitet und führe Untersuchung und weitere Diagnostik selbst durch. Anschließend stelle ich meine*n Patient*In einem der anwesenden Ärzte vor und mache einen Therapievorschlag, der entweder abgenickt oder korrigiert wird. So verfliegt der Vormittag in Windeseile und die Mittagspause stand an.
Nach einer gemeinsamen Brotzeit in unserem Ferienhaus ging es direkt weiter in die Asklepiosklinik in Schaufling, wo Herr Dr. Buvar uns einen Überblick über die orthopädische Untersuchung der Wirbelsäule gab: Was sind die wichtigsten anamnestischen Fragen? Welche Red Flags muss man beachten? Welche klinischen Tests sind einfach durchzuführen und aussagekräftig? Nach diversen gegenseitigen Untersuchungen können wir nun in unter 5 Minuten alle häufigen Gründe für Rückenschmerzen abklären – ein wichtiges Tool, dass sich in den nächsten Tagen in der Hausarztpraxis bestimmt noch lohnen wird.
Am Abend stand nach der ausgeprägten geistigen Arbeit noch ein kurzes körperliches Auspowern am Spikeball Netz an und wir besuchten das heute Nacht geborene Kalb vom Bauernhof nebenan. Jetzt fehlt nur noch eine zünftige Portion Kaiserschmarren zum Abschluss des Tages. Wir freuen uns auf morgen und schauen mal was wird.