Exzellenter Sommer Tagebuch
Heute war ein richtig schöner Tag. Einer der letzten sonnigen und warmen Tagen bevor der Herbst beginnt.
Der Wecker hat um 5.40 Uhr geklingelt, zwei Bissen Käsebrot, zwei Schlucken Tee, noch schnell das Brot für das Teaching am Nachmittag backen und wir sind bereit für die Abfahrt in die Klinik. Kurz nach 7.00 Uhr beginnt unsere Famulatur. Nach zwei Wochen Allgemeinchirurgie, einer Woche Notaufnahme verbringe ich die letzte Woche in der Anästhesie. Alle Ärzte im Team sind super nett und beantworten gerne alle Fragen. In der Narkoseeinleitung darf ich Zugänge legen, mit Maske beatmen, bei der Intubation und Regionalanästhesie zuschauen. Wenn man will, bekommt man einen guten Einblick in die Anästhesie.
Heute hatten wir einen kurzen Tag. Um 13.30 nach der Mittagspause ging es dann direkt los zum Teaching. Noch ein kleiner Spaziergang am Regen entlang und dann beginnt unsere Balint Gruppe. Ich durfte einen Fall aus meiner Hausarzt Famulatur vorstellen, das, wie es sich herausgestellt habt, nicht nur ich, sondern alle Anwesenden ein bisschen herausfordernd fanden. Es war aber eine tröstende Erfahrung zu wissen, dass Gruppen existieren wo solche Fälle besprochen und durchgearbeitet werden können.
Die Energie die wir nach dem Teaching noch übrig hatten, haben wir beim SpikeBall Spiel rausgelassen. Als wir schon gemütlich zusammen im Wohnzimmer saßen und Brettspiele gespielt haben, kam die Nachricht von unserem Nachbar dass die Geburt eines Kälbchens kurz bevorstand. Das war natürlich das Highlight des Tages. Für viele ein einzigartiges Erlebnis. Alle diejenigen, die in der Gyn Praxis keine Geburt gesehen haben, konnten das heute auf jeden Fall nachholen:))
Danach gab es, wie immer, ein sehr leckeres Abendessen – Linseneintopf – vielleicht schaffe ich es auch nach dem Projekt mich wie ein normaler Mensch zu ernähren, mal schauen. Der Abend hat uns alle erheitert und wir haben bereits ein Datum für das Wiedersehen ausgemacht. Das spiegelt wider was es eigentlich bedeutet zu 12 für vier Wochen in einem Bauernhaus zu wohnen. Das ist eine einmalige Erfahrung! Nachdem wir uns gewissenhaft vergewissert haben, das es dem Kälbchen gut geht und er auf seinen vieren laufen kann, fallen wir müde ins Bett und freuen uns auf die letzten Tagen des Projekts und schauen mal was wird.
Mittwoch?! Oder doch Montag? Nach dem Feiertag gestern ist die Verwirrung beim Klingeln des Weckers heute größer als an anderen Tagen.
Die ersten knallenden Türen und der Kaffeegeruch aus der Küche bringen aber schnell Klarheit, es geht fix ins Bad und dann an den Frühstückstisch.
Irgendwie sind immer noch alle sehr beflügelt von den Ausflügen der letzten Tage und die ein oder andere Anekdote wird noch geteilt.
Jetzt aber schnell ins Auto! In Viechtach ist wie jeden Mittwoch Markt und die Tradition, vor Praxisbeginn noch kurz dort einen kleinen Pausensnack zu besorgen, wird natürlich auch heute aufrechterhalten.
Nach dem Feiertag und zu Quartalsbeginn ist das Wartezimmer schon rappelvoll, als ich ankomme. Der Tag ist wie erwartet geprägt von vielen Überweisungen, Krankschreibungen und einigen akut Erkrankten. Mittlerweile hat sich ein routiniertes Zuarbeiten eingestellt und die Anamneseerhebung und Sonographie geht immer leichter von der Hand.
Heute kommt mein „Taxi“ sogar rechtzeitig, um vor der Balintgruppe am Nachmittag noch einen Zwischenstopp zu Hause einzulegen. Mit dem aufgewärmtem Chili-sin-Carne vom Vorabend darf ich in Gesellschaft unserer „Haus-Rehe“ draußen in der Sonne noch kurz durchatmen, bis der Tag nochmal ordentlich durchgerüttelt wird.
Es geht zur Balintgruppe nach Regen, wo wir von Dr. Egid Werner an das Konzept herangeführt werden.
Die Idee, schwierige Situationen im Patient*innen-Kontakt in einer kleinen Gruppe mit Kolleg*innen zu reflektieren und Lösungsansätze zu finden, weckt bei vielen Interesse. Ein sehr emotional geladenes Fallbeispiel wühlt allerdings alle mächtig auf und macht deutlich, wie wichtig es in unserer ärztlichen Zukunft sein wird, sich rechtzeitig Hilfe und Rat einzuholen.
Das alles soll nicht genug emotionale Achterbahnfahrt für einen Tag sein. Auch wenn wir alle die Hoffnung hatten, wir kommen ohne große Krankheitsausfälle durch den Monat, so soll es uns auf den letzten Metern wohl doch noch treffen.
Ein Corona-Fall im Hause Viechtach und nach einer schnellen Reihentestung auch der zweite positive Test. Schnell ist klar, dass somit wohl zwei plötzliche Abschiede anstehen und sich auch sonst einiges ändern wird.
Der Krisenstab wird zusammengerufen und ein Hygiene-Konzept, mit dem sich alle wohl fühlen können, erarbeitet.
Die große Abschieds-Backsession sieht somit anders aus als geplant, aber auch durch die Masken kann man die verlockend duftenden Kuchen im ganzen Haus riechen.
Ein verrückter Tag, mit vielen Wendungen und Emotionen geht dann jetzt aber auch zu Ende….
Mal sehen was wird!