Exzellenter Winter Tagebuch
Dienstag, 28.3.2023
Leise rieselt der Schnee……
… und das noch Ende März im Bayerischen Wald! Heute durften wir
Viechtacher zur Einstimmung in den Tag erst einmal Auto kratzen. Das
wurde jedoch gleich mit der wundervollen Fahrt durch das
Winterwonderland des Bayerwaldes belohnt. 🙂
In der Praxis ging es dann für mich heute mal wieder mit auf die
Hausbesuchstour – selbstverständlich erst nach den fünf Blutentnahmen,
welche ich jeden Tag zu Übungszwecken mache. Hausbesuche – das ist der
Moment, indem man das Land-Arzt-sein richtig spürt. Man fährt dutzende
Kilometer von Dorf zu Dorf und sieht Menschen in den verschiedensten
Wohnsituationen, mit diversesten Einrichtungen, Familienkonstellationen
und ihrem eigenen, vertrauten Umfeld. Es freut mich jedes Mal Menschen
auf solch eine Art und Weise nahe kommen zu können und ihnen dort vor
Ort helfen zu können. Für viele – vor allem ältere PatientInnen – ist
der Weg zum Arzt beschwerlich, weit, zum Teil ohne fremde Hilfe auch gar
nicht mehr bewältigbar. Man kann vielen dadurch die Last abnehmen und
trotzdem noch eine gewisse grundlegende medizinische Versorgung
ermöglichen. Einer Patientin konnten wir heute durch einen spontanen
Hausbesuch gut helfen, da es ihr aufgrund von Vorhofflimmern sehr
schlecht ging, sie sich jedoch nicht traute davor bereits selbst den
Rettungsdienst zu rufen. Scheinbar war es ihr angenehmer sich Hilfe über
ihren Hausarzt zu holen. Der Hausarzt veranlasste sofort eine
Notfalleinweisung ins Krankenhaus mit einem Rettungswagen und legte
einen i.v.-Zugang, über welchen dann auch u.a. ein Betablocker
verabreicht wurde. Was einem dieser Einsatz lehrt? Hausbesuche können
manchmal auch lebensrettend sein.
Nach dem Einsatz endete mein Arbeitstag in der Praxis und wir fuhren
durch den verschneiten Wald zurück nach Viechtach. Dort angekommen
wartete bereits unser Mittagessen auf uns – ein paar WG-BewohnerInnen
hatten sich bereits erbarmt und Essen gekocht. Dann hatten wir ein wenig
Freizeit und anschließend ging es zur Fallbesprechung ins Wohnzimmer.
Hier nahm uns Wolfgang Blank diesmal an die Hand, indem er uns
beibrachte in Schemata zu denken, Symptome zu kategorisieren, sinnvoll
Dinge abzuwägen – was ist wahrscheinlich, was nicht? Was ist sinnvoll –
was verschwendet Ressourcen (jeglicher Art)? Fallbesprechungen ergeben
Sinn. Man kann mit jedem Fall auch selbst wachsen, lernen, lehren,
Erfahrungen von anderen erfahren. Man kann dadurch seine ärztlichen
Fähigkeiten enorm ausbauen und sich eine Struktur anlegen und wie ein
Detektiv jedes Mal mehr Details wahrnehmen, ein Schema immer abfahren,
nichts übersehen, nichts außer Acht lassen. Als Detektiv darf natürlich
das richtige Tier – ein Hund nicht fehlen. Den brachte Wolfgang auch
mit. Paddy, ein Hund in der gefühlten Größe eines Ponys eroberte an
diesem Nachmittag mal wieder alle unsere Herzen und zauberte uns stets
ein Lächeln auf’s Gesicht.
Wie wäre so ein schöner Tag ohne wundervolles Essen? Bestimmt nicht so
toll, wie heute. Unser heutiges Kochteam hat sich mal wieder selbst
übertroffen und uns eine wunderschöne vegane Curry-Kichererbsen-Suppe
mit Fladenbrot gekocht, welche wir wohl alle so schnell nicht wieder
vergessen werden, wenn wir in Zukunft an diesen schönen verschneiten Tag
Ende März denken.